Der Multifunktionale Aussichtsturm Titz–Jackerath bildet einen der ersten baulichen Impulse innerhalb der langfristigen Transformation der Tagebaulandschaft Garzweiler. Der mit dem 1. Preis ausgezeichnete Wettbewerbsentwurf versteht den Turm nicht lediglich als Aussichtspunkt, sondern als räumlichen Auftakt einer neuen Landschaft, die in den kommenden Jahrzehnten aus einer ehemaligen Industrieregion entstehen wird.
Architektur, Landschaft und zirkuläres Bauen verbinden sich zu einem identitätsstiftenden Ort, der den Wandel des Rheinischen Reviers sichtbar macht und zugleich einen öffentlichen Raum für Begegnung, Bildung und kulturellen Austausch schafft.
Landschaft im Wandel
Der Entwurf reagiert nicht ausschließlich auf die heutige Situation, sondern auf eine Landschaft, die sich erst noch entwickeln wird.
Am Rand des ehemaligen Braunkohletagebaus Garzweiler entsteht mit dem zukünftigen Garzweiler See ein neuer Landschaftsraum, dessen Transformation mehrere Jahrzehnte umfassen wird.
Der Aussichtsturm bildet den ersten dauerhaft sichtbaren Orientierungspunkt dieser Entwicklung und schafft bereits heute einen öffentlichen Ort innerhalb der zukünftigen Seenlandschaft.
Zirkularität als Entwurfsprinzip
Die Konstruktion basiert konsequent auf dem Prinzip der Wiederverwendung.
Stahltragwerke und Carportmodule des ehemaligen Kraftwerks Frimmersdorf werden demontiert, angepasst und in neuer Form wieder aufgebaut. Ihre industrielle Herkunft bleibt bewusst ablesbar und wird Teil der architektonischen Erzählung.
Ergänzt wird die Konstruktion durch nachwachsende Materialien und neue Holzelemente, wodurch Vergangenheit und Zukunft zu einem gemeinsamen architektonischen Ausdruck verschmelzen.
Freiraum als Teil der Transformation
Der Freiraum entwickelt die architektonische Idee konsequent weiter.
Terrassen, Plätze und Wege bilden den ersten Abschnitt einer zukünftigen Uferlandschaft und schaffen attraktive Aufenthaltsorte für Besucherinnen und Besucher.
Die offenen Erdgeschosszonen wirken als öffentlich zugängiges Tor zwischen der ehemaligen Tagebaulandschaft und ihrer zukünftigen ökologischen Entwicklung.
Die oberen Ebenen bieten flexible Räume für Veranstaltungen, Bildung und kulturelle Nutzungen, während die Aussichtsplattform den landschaftlichen Wandel unmittelbar erfahrbar macht.
Klimaresiliente Landschaft
Die Freiraumgestaltung verbindet ökologische Funktionen mit hoher Aufenthaltsqualität.
Eine großzügige Eingangsfläche mit artenreichen Wiesen, heimischen Gehölzen und regionalen Materialien bildet den Auftakt des Projekts.
Ein Mobilitätshub mit wiederverwendeten Solardächern, Regenwassermanagement über Mulden und Retentionsflächen sowie naturnahe Waldlichtungen mit Spiel- und Bewegungsangeboten schaffen einen robusten und klimaangepassten Landschaftsraum.
Der Entwurf versteht Biodiversität, Wasserhaushalt und öffentliche Nutzung als zusammenhängendes Freiraumsystem.
Eine neue Identität für Garzweiler
Der Aussichtsturm ist weit mehr als ein Bauwerk.
Er bildet den ersten räumlichen Ausdruck einer neuen Kulturlandschaft und steht exemplarisch für den Wandel von einer industriell geprägten Region hin zu einer klimaresilienten und ressourcenschonenden Zukunft.
Meine Rolle
Die landschaftsarchitektonische Konzeption wurde von ensphere GmbH gemeinsam mit Zweering Helmus Architekten Part GmbB im Rahmen des interdisziplinären Wettbewerbsteams entwickelt.
Als Project Manager & Landscape Design Lead bei ensphere GmbH verantwortete ich die Entwicklung und Koordination des landschaftsarchitektonischen Gesamtkonzepts, einschließlich der Freiraumstrategie, der ökologischen Gestaltung sowie der Integration der Landschaftsarchitektur in den architektonischen Gesamtentwurf.
Projektdaten
- Projekt
- Multifunktionaler Aussichtsturm Titz–Jackerath
- Ort
- Titz–Jackerath, Deutschland
- Jahr
- 2025
- Wettbewerb
- Wettbewerb · 1. Preis
- Leistung
- Landschaftsarchitektur · Freianlagenplanung · Öffentlicher Raum
- Landschaftsarchitektur
- ensphere GmbH
- Architektur
- Zweering Helmus Architekten Part GmbB
- Rolle
- Project Manager & Landscape Design Lead, ensphere GmbH
Bildnachweis
Lageplan © ensphere GmbH. Perspektiven, Schnitte und Piktogramme © Zweering Helmus Architekten Part GmbB.
Alle Zeichnungen und Abbildungen verbleiben © bei den jeweiligen Büros.


