Arbeiter bewässern frisch eingebaute Weiden-Buschlagen und Krainerwand-Terrassen an einem im Bau befindlichen Flussufer.
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Dongxinkai River

Transformation eines städtischen Flusskorridors zu einem ökologischen Schwammstadt-System

Changchun, China · Flussrenaturierung & Schwammstadt · 1. Preis · Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape)

„Das Projekt Dongxinkai River untersuchte, wie die Renaturierung eines Flusses zur Grundlage einer neuen Form ökologischer Stadtentwicklung in Nordchina werden kann. Als Projektleiterin und leitende Landschaftsarchitektin der Entwurfsplanung sowie später als Verantwortliche für die Ausführungsplanung des nördlichen Flussdeltas wirkte ich an der Transformation eines technisch geprägten Entwässerungskorridors zu einer resilienten Landschaft mit integrierten Wasser-, Biodiversitäts- und Freiraumsystemen mit.“

Einen Fluss neu denken

Das Projekt Dongxinkai River Landscape Design entwickelte die ökologische Transformation eines rund 16,5 Kilometer langen, stark degradierten Flusskorridors in Changchun, einer der am schnellsten wachsenden Metropolregionen Nordchinas.

Das Vorhaben war Teil der umfassenden Entwicklung der Stadt zur Schwammstadt und nutzte naturbasierte Lösungen, um Hochwasserschutz, Wasserqualität, Biodiversität und öffentliche Freiräume gemeinsam zu verbessern.

Anstatt den Fluss ausschließlich als technischen Entwässerungskanal zu betrachten, wurde er als ökologische Hauptstruktur eines neuen Stadtteils neu interpretiert. Flussrenaturierung, Feuchtgebiete, öffentliche Parks, nachhaltige Mobilität und Klimaanpassung wurden zu einer zusammenhängenden Landschaft verbunden.

Luftbild-Rendering eines grünen Flusskorridors mit Feuchtgebieten und Parks zwischen dichten Hochhauszeilen.
Luftperspektive des Dongxinkai-Korridors: der renaturierte Fluss als ökologisches Rückgrat eines neuen Stadtteils. · © Ramboll Studio Dreiseitl
Luftaufnahme eines Flusses zwischen Feldern, am rechten Ufer Abfallhalden und Schuppen.
Der Korridor vor der Transformation: Drohnenaufnahme der Flusskante mit wilden Ablagerungen.
Fotocollage eines begradigten Flusskanals mit Betonufern und Geländern, überlagert mit einer Entwurfsfrage.
Bestandsanalyse: der kanalisierte Flusslauf mit harten Uferböschungen als eine der Leitfragen der Entwurfsplanung. · © Ramboll Studio Dreiseitl

Ein ökologisches Wassersystem gestalten

Der Entwurf verstand den Fluss als lebendiges Landschaftssystem, das von hydrologischen Prozessen und nicht von starren technischen Bauwerken geprägt wird.

Eine durchgehende Abfolge aus Feuchtgebieten, Retentionsräumen, überflutbaren Landschaften, ökologischen Uferzonen und öffentlichen Freiräumen bildet einen resilienten Flusskorridor, der gleichzeitig

  • ökologische Prozesse wiederherstellt,
  • die Wasserqualität verbessert,
  • Hochwasserrückhalt schafft,
  • die Biodiversität stärkt und
  • hochwertige öffentliche Freiräume entwickelt.

Der Masterplan etablierte eine integrierte blau-grüne Infrastruktur, in der sich ökologische Systeme, städtisches Leben und zukünftige Stadtentwicklung gegenseitig ergänzen.

Masterplan-Zeichnung eines langen grünen Flusskorridors, der sich durch ein weiß-graues Stadtgefüge windet.
Masterplan des 16,5 km langen Flusskorridors: eine durchgehende Abfolge von Feuchtgebieten, Retentionsräumen und öffentlichen Parks durch Changchun. · © Ramboll Studio Dreiseitl

Ein Fluss als Infrastruktur der Klimaanpassung

Das Projekt setzte Prinzipien der Schwammstadt bereits zu einem frühen Zeitpunkt konsequent um.

Regenwasserrückhalt, Versickerung, natürliche Wasserreinigung, Hochwasserspeicherung und Low-Impact-Development bildeten die Grundlage sämtlicher landschaftsarchitektonischer Maßnahmen.

Anstelle einer ausschließlich technischen Hochwasserinfrastruktur übernimmt die Landschaft selbst zentrale Funktionen der Klimaanpassung – durch renaturierte Feuchtgebiete, natürliche Überschwemmungsflächen, ingenieurbiologische Ufer und ökologische Reinigungssysteme.

So entsteht ein Flussraum, der sowohl alltägliche Wasserprozesse als auch Extremereignisse bewältigt und gleichzeitig die Lebensqualität der Stadt nachhaltig verbessert.

Luftbild-Rendering eines Feuchtgebietsparks mit verzweigten Wasserläufen, bewaldeten Inseln und einem orangefarbenen Rundweg.
Das nördliche Flussdelta: Feuchtgebietsterrassen, überflutbare Inseln und der kreisförmige Rundweg des Riverbank Gardens Park. · © Ramboll Studio Dreiseitl

Vom Masterplan zur Umsetzung

Nach Abschluss der Entwurfsplanung wurde das Projekt in die Realisierungsphase überführt.

Meine Rolle entwickelte sich dabei von der Leitung der landschaftsarchitektonischen Entwurfsplanung für den gesamten Flusskorridor hin zur Verantwortung für die detaillierte Planung des nördlichen Flussdeltas, dem heutigen Riverbank Gardens Park.

In dieser Projektphase wurden die im Masterplan entwickelten ökologischen Strategien in ausführbare Planungen übersetzt. Dazu gehörten ingenieurbiologische Uferbefestigungen, Feuchtgebietssysteme, Geländemodellierungen, Pflanzkonzepte, öffentliche Freiräume sowie Habitatstrukturen.

Ein zentrales Element der Umsetzung war die Entwicklung des ersten chinesischen Demonstrationsparks für Ingenieurbiologie sowie eines rund 38 Meter langen Amphibientunnels, der die Wanderung von Tierarten unter dem Hochwasserschutzdamm ermöglicht und gleichzeitig die Anforderungen des Hochwasserschutzes erfüllt.

Die Ausführungsplanung zeigte beispielhaft, wie ökologische Ingenieurkunst, Biodiversität und öffentliche Freiräume innerhalb funktionierender Hochwasserschutzsysteme miteinander verbunden werden können.

Technische Ausführungszeichnung eines Flussdeltas mit Legende ingenieurbiologischer Ufersicherungen.
Gesamtplan der ingenieurbiologischen Bauweisen für das nördliche Delta: Krainerwände, Buschmatratzen, Faschinen, Röhrichtwalzen und Kiessohlen. · © Ramboll Studio Dreiseitl
Technischer Entwässerungsplan mit Höhenlinien, Feuchtgebietsflächen und beschrifteten Wasserständen.
Entwässerungsplan des Öko-Wassersystems für den Riverbank Gardens Park mit Wasserständen, Feuchtgebietszonen und Amphibientunnel. · © Ramboll Studio Dreiseitl
Uferböschung mit Kokosnetz und Reihen lebender Weidenäste, gehalten von Holzpflöcken.
Buschmatratze im Bau: lebende Weidenäste, mit Kokosnetz und Holzpflöcken auf dem neuen Ufer fixiert.
Stapel aus Baumstämmen und Findlingen mit gebündelten Weidenästen in einer schlammigen Uferböschung.
Holz-Stein-Struktur an der Wasserlinie: Erosionsschutz kombiniert mit Habitatnischen.
Arbeiter und Planende um frisch verankerte Kokosmatratzen am Ufer, im Vordergrund Wasser.
Bauschulung im ersten chinesischen Demonstrationspark für Ingenieurbiologie: Einbau von Kokosmatratzen an der Wasserlinie.

Landschaft als lebendige Infrastruktur

Im gesamten Projekt wurde Landschaftsarchitektur zur ordnenden Infrastruktur der Stadtentwicklung.

Ökologische Wiederherstellung wurde mit Mobilität, Erholung, Umweltbildung und öffentlichem Leben verknüpft und schuf eine multifunktionale Landschaft, die sich langfristig an klimatische Veränderungen anpassen kann.

Anstatt technische Infrastruktur und Landschaft voneinander zu trennen, demonstriert das Projekt, wie ökologische Gestaltung selbst zur tragenden Infrastruktur resilienter Städte werden kann.

Zwei Weidensteckhölzer mit frischen grünen Trieben zwischen Schotter und einem Findling.
Lebende Weidensteckhölzer treiben wenige Wochen nach dem Einbau zwischen Stein und Schotter aus.
Kleiner Frosch auf Schlamm zwischen großen Steinen eines neu gebauten Ufers.
Erste Bewohner: ein Frosch auf der neuen Steinschüttung kurz nach der Fertigstellung.
Gras wächst durch ein Kokosnetz an einer Uferböschung, dazwischen rotstämmige Strauchstecklinge und Holzpfosten.
Das ingenieurbiologische Ufer begrünt sich: Gras wächst durch das Kokosnetz zwischen Steckhölzern und Krainerwand-Terrassen.

Mein Beitrag

Als Projektleiterin und leitende Landschaftsarchitektin bei Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape) leitete ich die Entwurfsplanung für den gesamten Masterplan des Dongxinkai River.

Nach der Fertigstellung des Gesamtkonzepts übernahm ich außerdem die Leitung der Ausführungsplanung und Detailplanung für das nördliche Flussdelta (Riverbank Gardens Park) und überführte die ökologischen Strategien des Masterplans in umsetzbare Planungslösungen.

Zu meinen Aufgaben gehörten:

  • Projektleitung während der Entwurfsplanung
  • Leitung des landschaftsarchitektonischen Planungsteams
  • Entwicklung der Strategie zur Flussrenaturierung
  • Ökologischer Masterplan
  • Schwammstadt-Strategien
  • Planung blau-grüner Infrastruktur
  • Entwicklung von Feuchtgebietstypologien
  • Ingenieurbiologische Ufergestaltung
  • Gestaltung öffentlicher Freiräume
  • Interdisziplinäre Koordination
  • Detailplanung des nördlichen Realisierungsabschnitts
  • Ausführungsplanung ökologischer Uferbefestigungen
  • Koordination der Ausführungsplanung

Das Projekt vertiefte meine Erfahrung an der Schnittstelle von Landschaftsarchitektur, Hydrologie, ökologischer Ingenieurplanung und städtischer Infrastruktur und prägte insbesondere mein Verständnis dafür, wie visionäre Landschaftskonzepte erfolgreich in realisierbare Bauprojekte überführt werden können.

Holzsteg auf Betonstützen über einer frisch modellierten Böschung mit verankerten Jungbäumen und einer steingefassten Mulde.
Der Riverbank Gardens Park nimmt Gestalt an: Holzsteg, Steinmulde und frisch gepflanzte Bäume auf dem Hochwasserdamm.

Projektinformationen

Projekt
Dongxinkai River Landscape Design
Projekttyp
Flussrenaturierung · Schwammstadt · Feuchtgebietspark · Ökologische Infrastruktur
Bauherr
Stadt Changchun
Landschaftsarchitektur
Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape)
Standort
Changchun, China
Projektgröße
16,5 km Flusskorridor
Leistungsphasen
Entwurfsplanung · Ausführungsplanung (Nördliches Flussdelta)
Auszeichnung
1. Preis
Rolle
Projektleiterin · Leitende Landschaftsarchitektin (Entwurfsplanung) · Leitende Landschaftsarchitektin (Ausführungsplanung des nördlichen Flussdeltas)

Bildnachweise

Masterpläne, technische Zeichnungen und Visualisierungen © Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape). Bau- und Baustellenfotografien aus dem Projektarchiv.

Alle Zeichnungen und Bilder verbleiben © beim jeweiligen Büro.

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