„Der Wettbewerb für den Chaobai River untersuchte, wie Flussrenaturierung, Hochwasserschutz und Stadtentwicklung zu einem integrierten Landschaftssystem zusammengeführt werden können. Als Project Manager und Lead Landscape Designer bei Ramboll Studio Dreiseitl bot sich mir die Möglichkeit, eine großmaßstäbliche ökologische Vision zu entwickeln, in der Wasser zum zentralen Gestaltungselement für Natur, öffentlichen Raum und die zukünftige Entwicklung einer gesamten Metropolregion wird.“
Den Chaobai-Fluss neu denken
Der internationale Wettbewerb für den Chaobai River (Abschnitt Xianghe) verfolgte das Ziel, einen über 800 Hektar großen, ökologisch degradierten Flusskorridor in eine neue landschaftliche Infrastruktur für die Metropolregion Peking–Tianjin zu transformieren.
Das Projekt liegt innerhalb einer der am schnellsten wachsenden Entwicklungsregionen Chinas und reagiert auf die Herausforderungen zunehmender Urbanisierung, sinkender ökologischer Qualität und steigender Hochwasserrisiken. Gleichzeitig entwickelt es eine neue Identität für Xianghe als Stadt, deren Zukunft durch Wasser, Biodiversität und hochwertige öffentliche Freiräume geprägt wird.
Anstatt Hochwasserschutz, ökologische Wiederherstellung und Freizeitnutzung getrennt voneinander zu behandeln, vereint der Entwurf diese Themen zu einer integrierten Landschaftsstrategie, die langfristige ökologische Resilienz und nachhaltige Stadtentwicklung gleichermaßen unterstützt.
Der Wettbewerbsbeitrag wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Entwerfen mit Wasser
Dem Entwurf liegt die grundlegende Beziehung zwischen Mensch, Wasser und Natur zugrunde. Diese drei Elemente werden durch eine zusammenhängende landschaftliche Struktur miteinander verbunden und bilden das Fundament eines neuen ökologischen Stadtraums.
Anstatt den Fluss ausschließlich als technische Infrastruktur zu begreifen, versteht die Planung den gesamten Flusskorridor als lebendiges Landschaftssystem, das Biodiversität fördert, die Wasserqualität verbessert, hochwertige öffentliche Räume schafft und gleichzeitig zukünftige Hochwasserereignisse aufnehmen kann.
Der Masterplan organisiert das Gebiet entlang einer ökologischen Wasserachse, ergänzt durch ein städtisches Aktivitätsband, ein Band zur natürlichen Wasserreinigung sowie drei unterschiedliche Landschaftskerne für Naturerlebnis, ökologische Entwicklung und urbane Aktivitäten.
Eine Sponge-City-Landschaft
Wasser bildet auf allen Maßstabsebenen das ordnende Prinzip des Projekts.
Großflächige Feuchtgebiete, renaturierte Auen, naturnahe Uferbereiche, ingenieurbiologische Böschungssysteme sowie wassersensible Landschaftstypologien verbessern den Wasserrückhalt, fördern die Biodiversität und erhöhen die Hochwassersicherheit, während gleichzeitig ein zusammenhängender öffentlicher Landschaftsraum entsteht.
Hydrologische Analysen, Hochwassermodelle, differenzierte Ufertypologien und Sponge-City-Strategien bildeten die Grundlage für die räumliche Organisation des Masterplans. So wurden ökologische Leistungsfähigkeit und öffentliche Nutzbarkeit von Beginn an gemeinsam entwickelt.
Anstatt Wasser als Bedrohung zu verstehen, nutzt der Entwurf die natürlichen Dynamiken des Flusses als gestalterisches Potenzial und entwickelt ein resilientes Landschaftssystem, das sich langfristig an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann.
Landschaft als metropolitane Infrastruktur
Über die ökologische Renaturierung hinaus versteht der Entwurf den Flusskorridor als den zentralen öffentlichen Landschaftsraum der zukünftigen Stadtentwicklung.
Fünf unterschiedliche Landschaftsbereiche verbinden Naturschutz, Umweltbildung, Erholung, Sport, Kultur und Freizeit innerhalb eines durchgängigen metropolitanen Parks.
Bildungsorientierte Feuchtgebiete, Wasserreinigungslandschaften, urbane Uferbereiche, naturnahe Wälder, kulturelle Einrichtungen und vielfältige Freizeitangebote schaffen eine Landschaft, die sowohl den Anforderungen des täglichen Stadtlebens als auch den ökologischen Funktionen einer großräumigen Flusslandschaft gerecht wird.
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Landschaftsarchitektur zur tragenden Infrastruktur für Klimaanpassung, Biodiversität, Mobilität und die räumliche Identität einer Metropolregion werden kann.
Mein Beitrag
Als Project Manager und Lead Landscape Designer bei Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape) leitete ich den internationalen Wettbewerb von der Konzeptentwicklung bis zur Fertigstellung der Wettbewerbsunterlagen.
Zu meinen Aufgaben gehörten:
- Gesamtprojektleitung
- Leitung des landschaftsarchitektonischen Entwurfs
- Entwicklung des landschaftsarchitektonischen Gesamtkonzepts
- Strategie zur Flussrenaturierung
- Entwicklung von Feuchtgebietstypologien
- Entwicklung von Sponge-City-Strategien
- Planung ökologischer Infrastruktur
- Entwicklung blau-grüner Systeme
- Masterplanentwicklung
- Entwicklung der Ufertypologien
- Gestaltung der öffentlichen Freiräume
- interdisziplinäre Koordination
- Erstellung der Wettbewerbsunterlagen
Das Projekt vereinte Hydrologie, Ökologie, Wasserbau und Landschaftsarchitektur in einem integrierten Planungsprozess. Die Leitung dieses Wettbewerbs vertiefte meine Erfahrung in den Bereichen Flussrenaturierung, wassersensible Stadtentwicklung und klimaresiliente Landschaftsplanung im metropolitanen Maßstab.
Projektinformationen
- Projekt
- Chaobai River & Wetland Park Design
- Projekttyp
- Internationaler Wettbewerb · Flussrenaturierung · Feuchtgebietspark · Ökologische Infrastruktur
- Auslober
- Gemeinde Xianghe, Provinz Hebei, China
- Landschaftsarchitektur
- Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape)
- Standort
- Xianghe, Provinz Hebei, China
- Projektgröße
- 810 ha
- Auszeichnung
- 1. Preis
- Projektphase
- Internationaler Wettbewerb
- Rolle
- Project Manager · Lead Landscape Designer · Landschaftsplanerische Beratung (Feuchtgebietstypologien & Sponge-City-Strategien)
Bildnachweise
Alle Zeichnungen, Renderings und Diagramme verbleiben © Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape).


