Luftbild-Rendering des Green Heart: bewaldeter Park mit Wiesen, Seen und begrünten Dächern in einer Flussschleife, dahinter die Stadt im Dunst.
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Tongzhou Green Heart Park

Gestaltung des ökologischen Herzens des neuen Verwaltungszentrums von Peking

Tongzhou District, Peking, China · Metropolitaner Park, 1.150 ha · 1. Preis, Internationaler Wettbewerb · Ramboll Studio Dreiseitl

„Der Tongzhou Green Heart Park untersuchte, wie Landschaftsarchitektur zur ordnenden Struktur eines vollständig neuen Stadtteils werden kann. Als Projektleiterin und Leitende Entwurfsverfasserin Landschaftsarchitektur bei Ramboll Studio Dreiseitl leitete ich die Entwicklung des Wettbewerbsbeitrags für einen der größten Stadtparks der Welt – eine neue ökologische Landschaft, die ein ehemaliges Industrieareal in das gesellschaftliche und ökologische Herz des zukünftigen Verwaltungszentrums Pekings transformiert.“

Das grüne Herz einer neuen Stadt

Der Tongzhou Green Heart Park wurde als zentrale öffentliche Landschaft für das neue Verwaltungszentrum Pekings entwickelt. Das Projekt unterstützt die langfristige Strategie der Stadt, zentrale Regierungsfunktionen in den Stadtbezirk Tongzhou zu verlagern und gleichzeitig ein neues Modell ökologischer Stadtentwicklung zu etablieren.

Mit einer Fläche von rund 1.150 Hektar (11,2 km²) verwandelt der Entwurf das ehemalige Gelände der Dongfeng-Chemiefabrik sowie angrenzende Industrieflächen in einen weitläufigen metropolitanen Landschaftspark. Statt lediglich veraltete Industrieanlagen durch Grünflächen zu ersetzen, entwickelt das Projekt eine neue ökologische Grundstruktur, die zukünftiges Stadtwachstum ermöglicht und gleichzeitig über Jahrzehnte fragmentierte Landschafts- und Ökosysteme wiederherstellt.

Rendering eines Parkwegs mit spazierenden Familien, Blumenwiesen auf der einen und dichten Bäumen mit Vögeln auf der anderen Seite.
Visualisierung des Parkrundwegs: Blumenwiesen, Spielbereiche und Vogelbeobachtung entlang der Hauptpromenade. · © Ramboll Studio Dreiseitl

Vom Industrieareal zur metropolitanen Landschaft

Das Projektgebiet stellte außergewöhnliche Herausforderungen dar.

Jahrzehntelange industrielle Nutzung hatte zu stark beeinträchtigten Böden, fragmentierten Lebensräumen, veralteter Infrastruktur, aufgegebenen Gebäuden und großflächig gestörten Landschaften geführt. Gleichzeitig nimmt der Park eine der strategisch bedeutendsten Lagen innerhalb der zukünftigen Stadterweiterung Pekings ein und musste daher sowohl als regionales ökologisches System als auch als identitätsstiftender öffentlicher Freiraum funktionieren.

Der Entwurf verstand die ökologische Renaturierung daher als Grundlage sämtlicher Planungsentscheidungen.

Großflächige Aufforstung, Bodensanierung, Habitatentwicklung, Regenwassermanagement und natürliche Sukzessionsprozesse bilden das Fundament, auf dem sich Erholung, Kultur und öffentliches Leben langfristig entwickeln können.

Landschaft als metropolitane Infrastruktur

Anstelle eines klassischen Stadtparks entwickelte der Wettbewerbsentwurf eine Landschaft, die gleichzeitig auf unterschiedlichen Maßstabsebenen wirkt.

Der Green Heart Park fungiert als:

  • zentrales ökologisches Kerngebiet des neuen Verwaltungszentrums,
  • regionales Biodiversitätsreservat,
  • großräumige Infrastruktur zur Klimaanpassung,
  • Erholungslandschaft für Millionen zukünftiger Bewohnerinnen und Bewohner,
  • identitätsstiftender öffentlicher Raum des neuen Stadtzentrums.

Wälder, Feuchtgebiete, extensive Wiesenlandschaften, kulturelle Freiräume, Freizeitangebote und ökologische Korridore wurden zu einer zusammenhängenden öffentlichen Landschaft verknüpft.

Anstatt Natur und Stadt voneinander zu trennen, versteht der Entwurf ökologische Systeme als primäre Infrastruktur, welche die zukünftige Stadtentwicklung strukturiert und trägt.

Doppelseite mit drei Masterplänen, die die Entwicklung des Parks in drei Bauphasen zeigen.
Masterplan-Phasen aus dem Wettbewerbsbuch: frühe Bauphase (2–5 Jahre), mittelfristige Entwicklung (10–25 Jahre) und der Park 50 Jahre später. · © Ramboll Studio Dreiseitl

Ökologie vor Urbanisierung

Eine der grundlegenden Leitideen des Wettbewerbs bestand darin, die übliche Reihenfolge der Stadtentwicklung umzukehren.

Nicht die zukünftige Bebauung sollte bestimmen, wo Natur verbleiben kann, sondern die ökologischen Systeme sollten den räumlichen Rahmen für die zukünftige Stadtentwicklung definieren.

Hydrologie, Topografie, ökologische Sensibilität, Landschaftssukzession und Habitatvernetzung wurden deshalb zunächst analysiert und anschließend als Grundlage für Erschließung, Nutzungsprogramme und zukünftige Entwicklungsbereiche genutzt.

Dieser landschaftsorientierte Planungsansatz schafft eine resiliente Struktur, die sich über Jahrzehnte an die Entwicklung des neuen Verwaltungszentrums Pekings anpassen kann.

Doppelseite mit acht kleinen analytischen Karten, einem Schichtendiagramm und einer kombinierten Sensibilitätskarte in Gelb- und Orangetönen.
Analyse der ökologischen Sensibilität: Topografie, Planungszonen, Verkehr, Gewässer und Habitatfaktoren werden zu einer Sensibilitätskarte überlagert. · © Ramboll Studio Dreiseitl
Doppelseite zur ökologischen Strategie mit nummerierten Maßnahmen, Renaturierungsschritten und einer Axonometrie mit Zugvogelrouten.
Ökologische Strategie: fünf Maßnahmen von der Bodensanierung bis zum Habitataufbau, mit Zugvogelrouten über das Gelände. · © Ramboll Studio Dreiseitl

Lernen von den großen Landschaftsparks der Welt

Aufgrund der außergewöhnlichen Dimension des Projekts wurde der Entwurfsprozess durch umfangreiche Vergleiche mit einigen der bedeutendsten metropolitanen Parkanlagen der Welt begleitet, darunter Parc de Vincennes, Bois de Boulogne, Richmond Park, Tempelhofer Feld, Versailles und Central Park.

Diese Referenzen dienten nicht als gestalterische Vorbilder, sondern als Grundlage für Untersuchungen zu Maßstab, Erreichbarkeit, ökologischer Leistungsfähigkeit, Nutzungsvielfalt und langfristiger Entwicklung. Auf dieser Basis entstand eine eigenständige Landschaft, die zeitgenössische ökologische Planung mit den kulturellen Traditionen chinesischer Landschaften verbindet.

Landschaft als kulturelle Identität

Über die ökologische Renaturierung hinaus wurde der Green Heart Park als öffentlicher Raum konzipiert, der einer neuen Metropole Identität verleihen kann.

Der Wettbewerb erkannte, dass das zukünftige Verwaltungszentrum Pekings mehr benötigt als Regierungsgebäude. Es braucht eine Landschaft, die kollektive Erinnerung schafft, kulturelle Identität stärkt und den Alltag der Menschen prägt.

Der Park verbindet deshalb ökologische Wiederherstellung mit Erholung, Bildung, Kultur und großzügigen öffentlichen Freiräumen und versteht Landschaft als zentrale gesellschaftliche Infrastruktur – nicht lediglich als landschaftlichen Hintergrund der Stadtentwicklung.

Handgezeichnete Masterplanskizze in Marker mit Grünflächen, blauen Wasserläufen und schwarzen Erschließungslinien.
Konzeptskizze: die Parkstruktur im Flussbogen mit Erschließung, Wassersystemen und zukünftigen Entwicklungsfeldern. · © Ramboll Studio Dreiseitl
Handskizze auf Transparentpapier mit modelliertem Gelände, Pflanzstrukturen und Gebäudegrundrissen um den Parkkern.
Arbeitsskizze auf Transparentpapier: Gelände, Vegetationsstruktur und die Abfolge der Freiräume im Kern des Parks. · © Ramboll Studio Dreiseitl

Mein Beitrag

Als Projektleiterin und Leitende Entwurfsverfasserin Landschaftsarchitektur bei Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape) leitete ich das landschaftsarchitektonische Team während des internationalen Wettbewerbs.

Zu meinen Aufgaben gehörten:

  • Gesamtprojektleitung
  • Leitung des landschaftsarchitektonischen Entwurfsteams
  • Entwicklung des landschaftsarchitektonischen Gesamtkonzepts
  • Entwicklung der Strategie zur ökologischen Renaturierung
  • Entwicklung der Brownfield-Regenerationsstrategie
  • Landschaftsarchitektonischer Masterplan
  • Programmierung des metropolitanen Parks
  • Entwicklung der ökologischen Zonierung
  • Integration von Hydrologie und Landschaftssystemen
  • Koordination der interdisziplinären Planung
  • Präsentationen gegenüber dem Auftraggeber sowie Wettbewerbskoordination

Das Projekt vertiefte meine Erfahrung in der Planung großmaßstäblicher Landschaftsinfrastrukturen und verband ökologische Renaturierung, Klimaanpassung, Stadtentwicklung und öffentliche Freiräume zu einem integrierten landschaftsarchitektonischen Gesamtkonzept.

Geschwungene Asphaltstraße im Park zwischen jungen Bäumen mit weiß gekalkten Stämmen; ein überdachtes Pedalfahrzeug mit Besuchern.
Der realisierte Central Green Forest Park: junge Waldpflanzungen entlang des Rundwegs.
Informationstafel im Park mit Lageplan, zweisprachigem Text und Legende, umgeben von Kiefernzweigen und Rasen.
Orientierungstafel des fertiggestellten Parks: der Plan des „Central Green“ mit den 36 Szenen entlang des Rundwegs.

Projektinformationen

Projekt
Tongzhou Green Heart Park
Projekttyp
Metropolitaner Park · Ökologische Renaturierung · Stadtentwicklung · Landschaftsarchitektur · Internationaler Wettbewerb
Auftraggeber
Stadt Peking
Landschaftsarchitektur
Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape)
Standort
Tongzhou District, Peking, China
Projektgröße
1.150 ha (11,2 km²)
Projektphase
Internationaler Wettbewerb · Konzeptplanung
Auszeichnung
1. Preis
Rolle
Projektleiterin · Leitende Entwurfsverfasserin Landschaftsarchitektur

Bildnachweise

Wettbewerbszeichnungen, Renderings, Skizzen und Publikationsgrafiken verbleiben © Ramboll Studio Dreiseitl (heute Henning Larsen Landscape).

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