„Angesichts zunehmender Hitzewellen, Wasserknappheit und extremer Wetterereignisse müssen öffentliche Räume ihre traditionelle Rolle neu definieren. Cooling Havens zeigt, wie Landschaftsarchitektur Nachbarschaftsplätze in klimaresiliente Infrastruktur verwandeln kann – Orte, die Städte kühlen, Wasser bewirtschaften, Biodiversität fördern und die Lebensqualität verbessern, während sie zugleich als übertragbare Modelle für die urbane Klimaanpassung in ganz Europa dienen.“
Ein europäisches Innovationsprojekt
Cooling Havens ist ein wegweisendes Projekt zur Klimaanpassung, das im Rahmen der European Urban Initiative (EUI) gefördert wird – einem der wichtigsten Förderprogramme der Europäischen Union zur Unterstützung innovativer Stadtentwicklung.
Das Projekt wurde im Wettbewerb der European Urban Initiative ausgewählt, weil es zeigt, wie öffentliche Räume auf Quartiersebene zu Laboren für Klimaresilienz werden können. Anstatt einzelne technische Maßnahmen umzusetzen, verbindet Cooling Havens Landschaftsarchitektur, blau-grüne Infrastruktur, Bürgerbeteiligung, Bildung und digitale Innovation zu einer integrierten Strategie, deren Methoden auf Städte in ganz Europa übertragbar sind.
Das Projekt bringt Kommunen, öffentliche Versorgungsunternehmen, Forschungseinrichtungen und interdisziplinäre Planungsteams zusammen, um neue Ansätze für die Anpassung mediterraner Städte an steigende Temperaturen, langanhaltende Trockenperioden und zunehmend häufige Starkregenereignisse zu entwickeln.
Athen dient dabei als Pilotstadt, in der diese innovativen Strategien erprobt, bewertet und zu übertragbarem Wissen für zukünftige europäische Klimaanpassungsprojekte weiterentwickelt werden.
Wasser als urbane Infrastruktur
Athen gehört zu den europäischen Städten, die besonders stark von extremer Hitze betroffen sind.
Steigende Temperaturen, immer längere Hitzewellen, Wasserknappheit sowie ein hoher Versiegelungsgrad haben die Fähigkeit öffentlicher Räume erheblich eingeschränkt, thermischen Komfort und ökologische Resilienz bereitzustellen.
Cooling Havens begegnet diesen Herausforderungen, indem Wasser als zentrales Gestaltungselement der Stadt neu gedacht wird.
Anstatt Regenwasser als Abfallprodukt zu behandeln, versteht das Projekt Wasser als ökologische Ressource, die Kühlung, Biodiversität, öffentliche Gesundheit und urbane Resilienz unterstützt.
Die blau-grüne Infrastruktur bildet dabei das Fundament der gesamten Entwurfsstrategie.
Regenwassergärten, Bioswales, wasserdurchlässige Beläge, Versickerungssysteme, klimaangepasste Vegetation und urbane Wasserelemente wirken als integriertes Landschaftssystem zusammen. Gemeinsam reduzieren sie Temperaturen, speichern und versickern Regenwasser, fördern die Biodiversität und schaffen gesündere öffentliche Räume.
Landschaftsarchitektur als Instrument der Klimaanpassung
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass Landschaftsarchitektur dem Klimawandel nicht nur durch ökologische Leistungsfähigkeit begegnen kann, sondern gleichzeitig hochwertige öffentliche Räume schafft.
Klimaanpassung wird zu einem selbstverständlichen Bestandteil des alltäglichen Stadtlebens.
Anstatt technische Einzelmaßnahmen nachträglich einzufügen, wird die Landschaft selbst zur klimatischen Infrastruktur.
Jeder Entwurfsbaustein erfüllt gleichzeitig mehrere Funktionen:
- Reduzierung urbaner Hitze
- Verbesserung des thermischen Komforts
- Regenwassermanagement
- Förderung der Biodiversität
- Verbesserung der ökologischen Vernetzung
- Stärkung der öffentlichen Gesundheit
- Förderung der sozialen Integration
- Aufwertung des öffentlichen Raums
Das Ergebnis ist eine integrierte Planungsmethodik, in der ökologische Leistungsfähigkeit und gesellschaftlicher Mehrwert untrennbar miteinander verbunden sind.
Von Pilotprojekten zu europäischen Lösungen
Eine Besonderheit von Cooling Havens besteht darin, dass das Projekt nicht ausschließlich als lokale Intervention konzipiert wurde.
Sein Ziel geht weit über die Umgestaltung zweier Nachbarschaftsplätze hinaus.
Vielmehr werden Methoden entwickelt, die sich auf andere mediterrane und europäische Städte mit vergleichbaren klimatischen Herausforderungen übertragen lassen.
Landschaftsarchitektur wirkt hier auf zwei Ebenen gleichzeitig:
auf der Ebene des konkreten Ortes
und auf der Ebene des europäischen Wissenstransfers.
Jede Intervention dient als Testfeld, um Entwurfsstrategien zu evaluieren, ökologische Wirkungen zu messen und praktische Erfahrungen für zukünftige Klimaanpassungsprojekte zu gewinnen.
Ein partizipativer und interdisziplinärer Prozess
Cooling Havens verbindet die bauliche Transformation öffentlicher Räume mit Beteiligung, Bildung und langfristiger Governance.
Während des gesamten Projekts arbeiteten Anwohnerinnen und Anwohner, kommunale Verwaltungen, Wasserexpertinnen und -experten, Ingenieurinnen und Ingenieure, Ökologinnen und Ökologen sowie Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten eng zusammen, um bestehende Bedingungen zu analysieren, lokale Bedürfnisse zu identifizieren und gemeinsam klimaresiliente Entwurfslösungen zu entwickeln.
Ergänzend umfasst das Projekt Bildungsprogramme, Schulungen und digitale Plattformen, die das Bewusstsein für wassersensible Stadtplanung stärken und Kommunen bei der zukünftigen Umsetzung vergleichbarer Maßnahmen unterstützen.
Dieser interdisziplinäre Ansatz macht deutlich, dass resiliente Städte nicht allein bessere öffentliche Räume benötigen, sondern ebenso neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Institutionen, Fachdisziplinen und Gesellschaft.
Ramnes-Platz
Hitze in urbane Lebensqualität verwandeln
Der Ramnes-Platz im Athener Stadtteil Kolonos vereinte viele der typischen Herausforderungen dichter mediterraner Stadtquartiere: großflächige Versiegelung, Hitzestress, Verkehrsbelastung, fragmentierte Grünflächen und eingeschränkte Aufenthaltsqualität.
Der Entwurf transformiert den Platz in eine klimaaktive Nachbarschaftslandschaft, deren Mittelpunkt ökologische Regeneration und alltägliches städtisches Leben bilden.
Ein neuer Tiny Forest schafft einen ökologischen Puffer gegenüber der stark befahrenen Straße, verbessert die Luftqualität und erhöht die Biodiversität.
Große versiegelte Flächen werden entsiegelt und durch wasserdurchlässige Beläge ersetzt, die Regenwasser vor Ort zurückhalten und urbane Hitze reduzieren.
Im Zentrum des Platzes entsteht das Blue Heart – eine interaktive Wasserlandschaft mit Wasserspielflächen für Kinder und einer Trinkwasserquelle für Menschen und Tiere. Ergänzt wird der Platz durch großzügige schattige Aufenthaltsbereiche sowie die sorgfältige Integration des wertvollen Altbaumbestands.
Das Projekt zeigt, wie selbst kleinere Eingriffe auf Quartiersebene gleichzeitig messbare Verbesserungen des Mikroklimas, der Biodiversität und des sozialen Zusammenhalts erzielen können.
Lakonias-Platz
Wasser, Geschichte und Gemeinschaft neu verbinden
Der Lakonias-Platz im Athener Stadtteil Ampelokipoi verbindet einen lebendigen Nachbarschaftsraum mit einer bedeutenden, bislang kaum wahrnehmbaren historischen Landschaft.
Ausgangspunkt des Entwurfs ist das unterirdisch verlaufende Hadrians-Aquädukt, das sowohl als kulturelles Erbe als auch als wasserbezogene Infrastruktur neu interpretiert wird.
Anstatt diese Geschichte unsichtbar zu lassen, macht der Entwurf Wasser wieder zu einem prägenden Element des öffentlichen Raums.
Großzügige Bioswales und miteinander verbundene Regenwassergärten speichern, versickern und verdunsten Niederschlagswasser und schaffen gleichzeitig hochwertige ökologische Lebensräume.
Neue Pflanzstrategien verbessern die Beschattung, stärken die Biodiversität und erhöhen die Klimaresilienz des Platzes.
Gleichzeitig entstehen flexible Aufenthaltsbereiche, Schachtische, schattige Sitzgelegenheiten sowie behutsam integrierte Einrichtungen für die zahlreichen Straßenkatzen des Quartiers. Dadurch werden sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Nutzer als selbstverständlicher Bestandteil des öffentlichen Raums verstanden.
So entsteht ein Platz, auf dem ökologische Prozesse, kulturelles Erbe und alltägliches städtisches Leben zu einem zusammenhängenden Landschaftssystem verschmelzen.
Mein Beitrag
Als Lead Landscape Architect bei der ensphere GmbH war ich verantwortlich für die landschaftsarchitektonische Planung der beiden Pilotstandorte innerhalb des durch die European Urban Initiative (EUI) geförderten Projekts.
Mein Aufgabenbereich umfasste die Entwicklung der landschaftsarchitektonischen Gesamtstrategie, der Klimaanpassungsmaßnahmen, der blau-grünen Infrastruktur, der Pflanzkonzepte, des Regenwassermanagements, der Biodiversitätsstrategie sowie der Gestaltung der öffentlichen Freiräume für den Ramnes-Platz und den Lakonias-Platz.
Darüber hinaus koordinierte ich die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ingenieurinnen und Ingenieuren, Wasserexpertinnen und -experten, kommunalen Behörden sowie den Projektpartnern und wirkte an partizipativen Beteiligungsprozessen mit, um die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung in die Planung zu integrieren.
Das Projekt erforderte die gleichzeitige Berücksichtigung ökologischer Leistungsfähigkeit, technischer Umsetzbarkeit, kulturellen Erbes, sozialer Integration und der Innovationsziele der Europäischen Union innerhalb eines hochkomplexen städtischen Umfelds.
Cooling Havens stellt eine meiner umfassendsten Anwendungen von Landschaftsarchitektur als Klima-Infrastruktur dar und verbindet ökologische Systeme, wassersensible Stadtplanung, Biodiversität, öffentlichen Raum und europäische Klimapolitik zu einer integrierten landschaftsarchitektonischen Strategie.
Cooling Havens verbindet europäische Förderpolitik, Forschung und landschaftsarchitektonische Praxis. Das Projekt übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Naturbasierte Lösungen in konkrete öffentliche Räume, die Klimaresilienz, Biodiversität und Lebensqualität fördern und gleichzeitig als übertragbare Modelle für die nachhaltige Transformation europäischer Städte dienen.
Projektinformationen
- Projekt
- Cooling Havens – Water-Driven Cooling Havens for Neighbourhoods
- Projekttyp
- Innovationsprojekt der European Urban Initiative (EUI) · Landschaftsarchitektur · Klimaanpassung · Nature-based Solutions · Blau-grüne Infrastruktur · Gestaltung öffentlicher Räume
- Förderprogramm
- European Urban Initiative (EUI) · Kofinanziert von der Europäischen Union
- Auftraggeber
- Stadt Athen
- Standort
- Athen, Griechenland
- Projektlaufzeit
- 2025–2026
- Pilotstandorte
- Ramnes-Platz (Kolonos) · Lakonias-Platz (Ampelokipoi)
- Projektpartner
- Stadt Athen · EYDAP · Urban Climate Institute · European Urban Initiative
- Rolle
- Lead Landscape Architect · Projektleiterin – ensphere GmbH
- Leistungsumfang
- Landschaftsarchitektur · Klimaanpassung · Nature-based Solutions · Blau-grüne Infrastruktur · Wassersensible Stadtplanung · Regenwassermanagement · Biodiversitätsstrategie · Pflanzplanung · Gestaltung öffentlicher Räume · Partizipative Planung · Klimaresilienzstrategie · Interdisziplinäre Koordination
Bildnachweise
Alle Visualisierungen, Pläne, Diagramme und Abbildungen verbleiben © ensphere GmbH und den jeweiligen Projektpartnern von Cooling Havens.


