„Der Wettbewerb Parc Fertile untersuchte, wie Landwirtschaft, Ökologie und öffentliches Leben innerhalb einer sich dynamisch entwickelnden metropolitanen Landschaft miteinander verbunden werden können. Die interne Leitung des landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs bei VWA Architectes bot mir früh in meiner beruflichen Laufbahn die Möglichkeit, einen komplexen Entwurfsprozess zu koordinieren, in dem produktive Landwirtschaft, Biodiversität und öffentlicher Raum zu einer gemeinsamen räumlichen Vision zusammengeführt wurden.“
Landwirtschaft und Stadt neu verbinden
Der internationale Wettbewerb für den Parc Agro-Urbain de Bernex–Confignon verfolgte das Ziel, ein neues Modell für das Zusammenspiel von Stadtentwicklung und produktiver Landwirtschaft am westlichen Stadtrand von Genf zu entwickeln.
Zwischen wachsenden Wohnquartieren und einer der wertvollsten Agrarlandschaften der Region gelegen, bot das Areal die Chance, die zukünftige Beziehung zwischen Stadt und Landschaft grundlegend neu zu denken.
Anstatt Urbanisierung und Landwirtschaft als konkurrierende Systeme zu betrachten, entwickelte der Entwurf ein landschaftliches Gesamtkonzept, in dem landwirtschaftliche Produktion, ökologische Aufwertung, öffentlicher Raum und nachhaltige Mobilität als sich gegenseitig ergänzende Bestandteile verstanden werden. Landwirtschaft wird dabei nicht als Relikt der Vergangenheit bewahrt, sondern als aktiver und sichtbarer Bestandteil des zukünftigen metropolitanen Lebensraums weiterentwickelt.
Der von VWA Architectes entwickelte Wettbewerbsbeitrag wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Landwirtschaft als öffentlicher Landschaftsraum
Im Zentrum des Entwurfs steht die Idee, dass produktive Landschaften zugleich öffentliche Landschaften sein können.
Anstatt landwirtschaftliche Produktion vom alltäglichen Stadtleben zu trennen, macht der Masterplan die Kulturlandschaft selbst zum Bestandteil des öffentlichen Raums. Obstgärten, Ackerflächen, ökologische Waldstrukturen, Feuchtgebiete, Gemeinschaftsgärten und Fußwege bilden eine zusammenhängende Landschaft, in der Lebensmittelproduktion, Biodiversität und Erholung einander gegenseitig stärken.
Die Besucher erleben den Rhythmus der Jahreszeiten unmittelbar durch die landwirtschaftliche Nutzung, während sorgfältig gestaltete Freiräume zum Aufenthalt, Lernen und zur aktiven Auseinandersetzung mit der Kulturlandschaft einladen.
So entsteht ein agro-urbaner Park, der die regionale Identität stärkt und zugleich zeigt, wie produktive Landschaften auch künftig eine tragende Rolle innerhalb metropolitaner Entwicklungen übernehmen können.
Ein produktiver ökologischer Landschaftsrahmen
Die landschaftsarchitektonische Strategie entwickelt ein robustes räumliches Gerüst, das langfristige Anpassungsfähigkeit mit dem Erhalt des landwirtschaftlichen Charakters verbindet.
Bestehende ökologische Korridore werden durch neue Gehölzstrukturen und Habitatvernetzungen gestärkt, während die landwirtschaftlichen Nutzflächen die prägende Struktur des Landschaftsraums erhalten. Eine klare Hierarchie aus Wegen, öffentlichen Räumen und Produktionsflächen schafft eine Landschaft, die sowohl funktional als auch ökologisch leistungsfähig ist.
Anstatt eine starre formale Komposition festzuschreiben, formuliert der Entwurf langfristige räumliche Prinzipien, die Landwirtschaft, ökologische Prozesse und zukünftige Stadtentwicklung gemeinsam weiterentwickeln können.
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Landschaftsarchitektur Umweltleistung, Nahrungsmittelproduktion und öffentliches Leben innerhalb einer integrierten territorialen Vision miteinander verbinden kann.
Mein Beitrag
Als Landscape Architect (Entry Level) bei VWA Architectes übernahm ich die interne Leitung des landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs unter der fachlichen Leitung des Senior-Projektteams.
Zu meinen Aufgaben gehörten:
- interne Koordination des landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs
- Entwicklung des landschaftsarchitektonischen Entwurfskonzepts
- Entwicklung des Masterplans
- Gestaltung der produktiven Landschaft
- Gestaltung der öffentlichen Freiräume
- Entwicklung ökologischer Landschaftsstrategien
- Erstellung der Wettbewerbspläne und Präsentationsunterlagen
- interdisziplinäre Koordination innerhalb des Planungsteams
Obwohl ich unter der Leitung des Senior-Projektteams arbeitete, stellte das mir entgegengebrachte Vertrauen, die landschaftsarchitektonische Wettbewerbsbearbeitung intern zu leiten, einen wichtigen Meilenstein zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn dar. Diese Erfahrung stärkte meine Fähigkeit, komplexe Entwurfsprozesse zu koordinieren und Landwirtschaft, Ökologie, öffentlichen Raum und räumliche Planung zu einer gemeinsamen landschaftsarchitektonischen Strategie zusammenzuführen.
Das Projekt vertiefte mein Verständnis von Landschaftsarchitektur als territoriale Infrastruktur und festigte mein langfristiges Interesse an produktiven Landschaften, ökologischer Planung und landschaftsbasierter Stadtentwicklung – Themen, die meine Arbeit bis heute prägen.
Projektinformationen
- Projekt
- Parc Fertile – Parc Agro-Urbain de Bernex–Confignon
- Projekttyp
- Internationaler Wettbewerb · Landschaftsarchitektur · Agro-Urbaner Park · Öffentlicher Raum
- Auslober
- Republik und Kanton Genf
- Architektur
- VWA Architectes
- Standort
- Bernex–Confignon, Genf, Schweiz
- Auszeichnung
- 1. Preis
- Projektphase
- Internationaler Wettbewerb
- Rolle
- Landschaftsarchitektin (Berufseinstieg) · Interne Wettbewerbsleitung Landschaftsarchitektur
Bildnachweise
Wettbewerbspläne, Diagramme und Visualisierungen © VWA Architectes.
Landschaftsarchitektur entwickelt im Wettbewerbsteam von VWA Architectes; Dimitra Theochari leitete die landschaftsarchitektonische Wettbewerbsbearbeitung intern.


