Luftbild-Rendering des Hauptcampus Münster: Backsteingebäude mit Gründächern um baumbestandene Höfe, dahinter Kanal und Stadt.
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Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen

Gestaltung einer resilienten Lernlandschaft über zwei Campusstandorte

Münster & Telgte, Deutschland · Campusplanung · 1. Preis Wettbewerb · MERA Landschaftsarchitekten mit Wirking Froh Architekten

„Die Qualität einer Lernumgebung reicht weit über ihre Gebäude hinaus. Am Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen wurde die Landschaftsarchitektur zum verbindenden Rahmen, der Ausbildung, Training, Aufenthaltsqualität und Ökologie über zwei komplementäre Campusstandorte miteinander verknüpft und so eine gemeinsame Identität für eine der bedeutendsten öffentlichen Bildungseinrichtungen Deutschlands geschaffen hat.“

Die Zukunft der größten Feuerwehrausbildungsstätte Deutschlands neu denken

Das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IDF NRW) ist die größte Aus- und Fortbildungseinrichtung für den Brand- und Katastrophenschutz in Deutschland. Um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden und langfristiges Wachstum zu ermöglichen, schrieb das Institut einen interdisziplinären Planungswettbewerb für die umfassende Weiterentwicklung seiner beiden Standorte aus.

Das Projekt umfasste zwei eigenständige, zugleich jedoch eng miteinander verbundene Campusanlagen: den Hauptstandort in Münster als akademisches und administratives Zentrum sowie den Ausbildungsstandort in Telgte, der auf die praktische Ausbildung und Einsatzsimulation spezialisiert ist. Anstatt beide Standorte als voneinander unabhängige Projekte zu betrachten, entwickelte der Entwurf eine gemeinsame landschaftsarchitektonische Strategie, welche die institutionelle Identität des Instituts stärkt und gleichzeitig den unterschiedlichen funktionalen Anforderungen beider Standorte gerecht wird.

Der Wettbewerb wurde mit dem 1. Preis für das interdisziplinäre Planungsteam aus Wirking Froh Architekten und MERA Landschaftsarchitekten ausgezeichnet. Im Anschluss folgte die Beauftragung zur Weiterentwicklung des Projekts bis in die HOAI-Leistungsphasen 2 und 3.

Rendering eines Campusplatzes mit Sitzmöbeln, einem großen Baum und Menschen zwischen Backsteingebäuden.
Alltag auf dem Hauptcampus Münster: ein gepflasterter Platz mit Sitzelementen unter Bäumen zwischen bestehenden und neuen Backsteingebäuden. · © Wirking Froh Architekten mit MERA Landschaftsarchitekten

Eine Institution – Zwei eigenständige Landschaften

Obwohl beide Standorte Teil einer gemeinsamen Institution sind, erfüllen sie grundlegend unterschiedliche Aufgaben.

Der Hauptcampus in Münster bildet das akademische Zentrum des Instituts. Hier werden Lehrgebäude, Verwaltung, Unterkünfte und gemeinschaftliche Einrichtungen durch ein zusammenhängendes Freiraumsystem miteinander verbunden. Plätze, Innenhöfe und großzügige Grünräume schaffen eine identitätsstiftende Campuslandschaft, welche Lernen, Begegnung, Zusammenarbeit und informellen Austausch gleichermaßen fördert.

Der Ausbildungscampus in Telgte ist auf die praktische Ausbildung von Einsatzkräften ausgerichtet. Die Freiraumplanung verbindet robuste Infrastruktur mit hochwertig gestalteten öffentlichen Räumen, langlebigen Materialien, klimaangepasster Vegetation und klar strukturierten Erschließungssystemen. Dadurch entsteht ein Freiraum, der den hohen funktionalen Anforderungen des täglichen Ausbildungsbetriebs ebenso gerecht wird wie den Ansprüchen an Aufenthaltsqualität und ökologische Nachhaltigkeit.

Gemeinsam bilden beide Standorte eine zusammenhängende Campuslandschaft, welche sowohl den Bildungsauftrag als auch den operativen Charakter des Instituts räumlich zum Ausdruck bringt.

Luftbild-Rendering des Ausbildungscampus Telgte mit begrünten Backsteingebäuden, Feuerwehrfahrzeugen in den Höfen und Wald ringsum.
Der Ausbildungscampus in Telgte: begrünte Hallendächer und Fahrzeughöfe, eingebettet in den umgebenden Wald. · © Wirking Froh Architekten mit MERA Landschaftsarchitekten

Landschaft als institutionelle Infrastruktur

Der landschaftsarchitektonische Entwurf versteht den Freiraum als das zentrale ordnende Element der gesamten Campusentwicklung.

Anstatt die Flächen zwischen den Gebäuden als verbleibende Restflächen zu behandeln, entwickelt der Masterplan ein zusammenhängendes Netz aus Campusparks, Plätzen, Innenhöfen, Eingangsbereichen und Wegeverbindungen, das Orientierung, Bewegung und das soziale Leben auf beiden Standorten organisiert.

Die ökologische Leistungsfähigkeit bildete dabei eines der zentralen Entwurfsziele. Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, umfangreiche Baumpflanzungen, nachhaltiges Regenwassermanagement, die Vernetzung von Lebensräumen sowie klimaresiliente Vegetationskonzepte wurden systematisch in den Entwurf integriert. So entstand eine widerstandsfähige Landschaft, die sowohl die ökologische Qualität des Standorts verbessert als auch den Alltag der Nutzerinnen und Nutzer bereichert.

Der Entwurf verbindet ökologische Wasserbewirtschaftung, Ressourceneffizienz, Biodiversität und multifunktionale öffentliche Räume zu einem ganzheitlichen Landschaftssystem.

Lageplan des Campus Münster mit Gebäuden, baumgesäumten Wegen, Höfen und Rasenflächen am Kanal.
Masterplan des Hauptcampus Münster: ein zusammenhängendes Netz aus Plätzen, Höfen und Grünräumen verbindet bestehende und neue Gebäude. · © Wirking Froh Architekten mit MERA Landschaftsarchitekten
Lageplan des Campus Telgte mit begrünten Hallen, Stellplatzhöfen, zwei Teichen und einer großen, von Bäumen gefassten Wiese.
Masterplan des Ausbildungscampus Telgte: robuste Erschließung und Gründächer um Übungshallen, Teiche und eine zentrale Wiese. · © Wirking Froh Architekten mit MERA Landschaftsarchitekten
Axonometrisches Diagramm des Campus mit farbigen Zonen für Plätze, Grünräume und Höfe.
Freiraumstruktur des Campus Münster: eine Abfolge grüner Räume und Plätze entlang des zentralen Rückgrats. · © MERA Landschaftsarchitekten
Axonometrisches Diagramm des Campus mit orangefarbenen gestrichelten Sichtachsen und Augensymbolen.
Blickbeziehungen über den Campus: Sichtachsen verbinden Eingänge, Plätze und die grüne Mitte. · © MERA Landschaftsarchitekten

Planung im Dialog mit den Nutzerinnen und Nutzern

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war der umfassende Beteiligungsprozess während der frühen Planungsphase.

Am Standort Münster wurden 477 Fragebögen von Mitarbeitenden, Lehrkräften und Kursteilnehmenden ausgewertet, um Stärken, Defizite und zukünftige Anforderungen an den Campus zu identifizieren. Die Ergebnisse flossen unmittelbar in die landschaftsarchitektonische Konzeption ein und bestätigten, dass der Wettbewerbsentwurf bereits einen Großteil der Wünsche der späteren Nutzerinnen und Nutzer aufgriff.

Hierzu gehörten unter anderem eine höhere Aufenthaltsqualität, bessere Möglichkeiten zum Lernen im Freien, die Förderung der Biodiversität, ein stärkerer Bezug zum Wasser, zusätzliche Sport- und Bewegungsangebote sowie attraktive Orte für Begegnung und Austausch.

Die entstandene Campuslandschaft reagiert damit nicht nur auf funktionale Anforderungen, sondern stellt den Menschen und seine tägliche Erfahrung des Ortes in den Mittelpunkt des Entwurfs.

Kreisförmiges Diagramm mit illustrierten Campusszenen und vier Leitbegriffen am Rand.
Die gemeinsame Vision für den Campus: Genius Loci, Campus als grüner Park, aktives soziales Leben und ein flexibler Gestaltungsrahmen. · © MERA Landschaftsarchitekten

Vom Wettbewerb zur Umsetzung

Nach dem Wettbewerbserfolg wurde das Projekt in die weiteren Planungsphasen überführt und bis in die HOAI-Leistungsphasen 2 und 3 weiterentwickelt.

Die landschaftsarchitektonische Planung wurde dabei in allen Maßstabsebenen vertieft – von der Ausarbeitung unterschiedlicher Freiraumtypologien über Pflanzkonzepte und Belagssysteme bis hin zu Ausstattungselementen, Beleuchtung, Barrierefreiheit und detaillierten Materialkonzepten für beide Campusstandorte.

Ergänzend wurden umfassende Material- und Ausstattungshandbücher entwickelt, welche sämtliche Oberflächen, Möblierungselemente, Vegetationskonzepte und Ausstattungsdetails definierten. Dadurch entstand ein konsistentes Gestaltungssystem, das die gestalterische Qualität und Wiedererkennbarkeit des gesamten Campus langfristig sichert und gleichzeitig eine wirtschaftliche sowie nachhaltige Umsetzung ermöglicht.

Lange Ansichtszeichnung mit Backsteinfassaden und Bäumen.
Ansicht des Campus Münster im Maßstab 1:200: neue Backsteingebäude und erhaltene Bäume entlang der öffentlichen Kante. · © Wirking Froh Architekten mit MERA Landschaftsarchitekten

Mein Beitrag

Als Projektleiterin und leitende Entwurfsverfasserin Landschaftsarchitektur bei MERA Landschaftsarchitekten leitete ich den landschaftsarchitektonischen Wettbewerbsbeitrag und verantwortete anschließend die Weiterentwicklung des Projekts bis einschließlich HOAI-Leistungsphase 3.

Mein Aufgabenbereich umfasste:

  • Gesamtprojektleitung für den Bereich Landschaftsarchitektur
  • Leitung und Koordination des Wettbewerbsbeitrags
  • Entwicklung der übergeordneten landschaftsarchitektonischen Strategie
  • Campus-Masterplanung
  • Gestaltung des öffentlichen Freiraums
  • Entwicklung klimaresilienter und ökologischer Freiraumkonzepte
  • Landschaftsarchitektonische Konzeption beider Campusstandorte
  • Pflanz- und Vegetationskonzept
  • Material- und Oberflächenkonzept
  • Detailplanung der Freianlagen
  • Interdisziplinäre Koordination mit Wirsing Froh Architekten sowie den Fachplanungsbüros
  • Erstellung der Vor- und Entwurfsplanung (HOAI LPH 2–3)

Das Projekt verdeutlicht, wie Landschaftsarchitektur den langfristigen organisatorischen Rahmen komplexer Bildungsinstitutionen schaffen kann. Durch die Verbindung von öffentlichem Raum, ökologischer Leistungsfähigkeit, funktionalen Anforderungen und langfristiger Anpassungsfähigkeit entstand eine Campuslandschaft, die den unterschiedlichen Nutzungen beider Standorte gerecht wird und zugleich eine gemeinsame räumliche Identität für das gesamte Institut entwickelt.

Das Projekt Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen zeigt exemplarisch, wie Landschaftsarchitektur die Identität komplexer Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen über mehrere Standorte hinweg prägen kann. Durch die Verbindung von Campusplanung, öffentlichem Raum, Klimaresilienz, Biodiversität und nutzerorientiertem Entwerfen entstand ein langfristiger landschaftsarchitektonischer Rahmen, der Lernen, Ausbildung, Gemeinschaft und ökologische Qualität gleichermaßen fördert. Die beiden Campusstandorte bilden dabei keine isolierten Anlagen, sondern ein zusammenhängendes räumliches System mit einer gemeinsamen gestalterischen Identität und einer zukunftsfähigen Perspektive für die Entwicklung des Instituts.

Projektinformationen

Projekt
Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IDF NRW)
Projekttyp
Campusplanung · Landschaftsarchitektur · Öffentlicher Raum · Wettbewerb
Bauherr
Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen
Architektur
Wirking Froh Architekten
Landschaftsarchitektur
MERA Landschaftsarchitekten
Hauptcampus
Münster, Deutschland
Ausbildungscampus
Telgte, Deutschland
Auszeichnung
1. Preis
Leistungsphasen
Wettbewerb · HOAI LPH 2–3
Rolle
Projektleiterin · Leitende Entwurfsverfasserin Landschaftsarchitektur

Bildnachweise

Visualisierungen und Pläne © Wirking Froh Architekten und MERA Landschaftsarchitekten; Landschaftsdiagramme © MERA Landschaftsarchitekten.

Alle Zeichnungen und Abbildungen verbleiben © bei den jeweiligen Büros.

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